IOC-Kongress in Kopenhagen

Rio de Janeiro wird als erste südamerikanische Stadt 2016 die Olympischen Spiele ausrichten. Die Brasilianer setzten sich im entscheidenden Wahlgang gegen Madrid durch. Topfavorit Chicago war schon im ersten Wahlgang gescheitert.

Die 121. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Freitagabend (02.10.09) in Kopenhagen die Stadt an der Copacabana zum Sieger im Vierkampf um die Spiele 2016 gekürt. Zugleich schmetterten die Olympier den Versuch von Chicago und US-Präsident Barack Obama ab, das bedeutenste Sportfest zum fünften Mal in die USA zu holen. Selbst die Fünf-Stunden-Blitzvisite des Präsidenten brachte Chicago am Ende nicht den gewünschten Erfolg - sensationell blieb der Mitfavorit bereits im ersten Wahlgang auf der Strecke.

Mit dem Votum für Rio hat das IOC die olympische Welt um Südamerika erweitert und dafür gesorgt, dass Brasilien mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Sommerspielen nun innerhalb von zwei Jahren Gastgeber der beiden bedeutensten Sportveranstaltungen ist. Als IOC-Präsident Jacques Rogge den Gewiner der Milliardenspiele um 18.50 Uhr proklamierte, wollte der brasilianische Jubel in Kopenhagen kein Ende finden. Brasiliens Präsident Lula da Silva sagte: "Heute ist ein heiliger Tag für mich. Rio hat gewonnen, weil es Herz und Seele hat und die Einwohner liebenswürdig und großzügig sind." Kurz nachdem Rio das Rennen gemacht hatte, bejubelten an der Copacabana vor riesigen Leinwänden mehr als 100.000 Menschen den Olympiasieg im fünften Anlauf.

Rio hatte sich im entscheidenden dritten Wahlgang mit 66:32 Stimmen gegen Madrid durchgesetzt. In der spanischen Hauptstadt wurde die Entscheidung dann auch enttäuscht aufgenommen: "Wir wussten, dass es schwierig werden würde", sagte eine junge Frau vor dem Königspalast im Herzen Madrids, wo mehrere Tausend Menschen die Wahl verfolgt hatten. "Aber dennoch haben wir gehofft", fügte sie unter Tränen hinzu. Madrids Olympia-Traum ist damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren geplatzt. Damals war die Drei-Millionen-Metropole knapp London unterlegen.

US-Präsident Obama war zum Zeitpunkt der Entscheidung längst auf dem Rückflug seines 21-stündigen Ausflugs. Tausende Menschen, die sich in Chicago schon am Morgen auf dem Daley-Square eingefunden hatten, um dort auf die Nachricht aus Kopenhagen zu warten und zu feiern, reagierten zunächst mit ungläubigem Schweigen, dann mit einem lauten Seufzen. "Das ist unfassbar. Chicago wäre ideal gewesen", sagte A.D. Frazier, einer der leitenden Organisatoren der Olympischen Spiele in Atlanta 1996, dem Sender CNN.

Enttäuschung auch in Tokio, das im zweiten Wahlgang ausschied. "Das war ein totaler Schock", sagte die Goldmedaillen-Gewinnerin im Marathon von Sydney, Naoko Takahashi. "Die Präsentation war zwar gut. Aber es fehlte das gewisse Extra", meinte ihre Landsfrau Yuko Arimori, Silbermedaillengewinnerin im Marathon von Barcelona, im japanischen Fernsehen. "Tokio hatte keinen überraschenden Reiz zu bieten, um die Leute anzulocken", sagte sie. Rund 350 Japaner, die am Tokioter Fernsehturm die Entscheidung in Kopenhagen am Bildschirm verfolgten, gingen gleich wieder nach Hause. tagesschau.de