Wenn sich am 31. August die Messetore in Berlin zur diesjährigen Internationalen Funk-Ausstellung öffnen, werden die Besucher eine Reihe neuer Begriffe lernen müssen. Die wohl wichtigsten Worte des Jahres heißen "Full HD" und "24p".
Hochauflösendes Fernsehen, sprich: HDTV, bestimmt bereits seit einigen Jahren die Messe in Berlin - ein Schlagwort, an das sich die Verbraucher bereits gewöhnt haben. In diesem Jahr pflegen die Hersteller ihre Produkte mit Verbesserungen vor allem am Bild. Ein wichtiges Thema wird das Ausmerzen von unschönen Rucklern sein, die bei der Wiedergabe von HD-Filmen auftauchen können. Warum das so ist, dazu zunächst eine kurze Erklärung:
Bisher waren es vor allem Cineasten, denen der kleine, aber feine Unterschied zwischen einem Fernseh- und einem Kinofilm bekannt war: Während das Fernsehbild - auch bei HDTV - sich aus 50 Halb- oder 25 Vollbildern pro Sekunde zusammensetzt, liegt der Kinostandard bei 24 Bildern pro Sekunde.
Die Kunst des Umrechnens
Um einen Kinofilm im Fernsehen oder auf DVD abzubilden, wurde bisher das Material Eins zu Eins umkopiert. Das fehlende Frame wurde dabei vom nächsten Block quasi automatisch nach vorne gezogen. In der ersten Sekunde wurde also ein Frame aus der zweiten Sekunde genommen, die damit nur noch 23 Frames lang war. So wurden aus der dritten Sekunde zwei Frames für die zweite Sekunde vorweggenommen und so weiter. Der Ton muss dadurch auch etwas schneller laufen. Ein Kinofilm läuft im Fernsehen damit rund vier Prozent schneller; bei einem 90-Minüter kommen da schon ein paar Minuten zusammen.
Die HD-Nachfolgerformate der DVD, BluRay und HD-DVD sind indes in der Lage, Videos im Original-Kinoformat abzuspielen. Bezeichnet wird dies als "24p". Schließt man jedoch einen Fernseher an, der diese Wiedergabe nicht unterstützt, sondern mit dem so genannten 3:2-Pulldown-Verfahren die fehlenden Frames selbst errechnet, um auf 25 Bilder pro Sekunde zu kommen, wird man vor allem bei ruhigen Szenen Ruckler wahrnehmen.
Größer, besser, schöner
Auf der IFA zeigen die TV-Geräte-Hersteller daher in diesem Jahr zahlreiche Geräte, die die 24-Frames-Wiedergabe unterstützen. Sie tragen das "24p"-Logo, auf das man künftig beim Kauf eines neuen Fernsehers achten sollte. Daneben buhlen die Hersteller vor allem bei den LCD-Fernsehern wieder um größere Bildschirme mit noch satterem Schwarz, weniger Schlieren und besserer Software für noch schärfere Bilder. Die Verfahren zur Bildverbesserung heißen dabei bei jedem Hersteller anders.
Während vor ein paar Jahren das neu eingeführte Logo "HD Ready" dem Verbraucher signalisieren sollte, dass ein Bildschirm prinzipiell in der Lage ist, HD-TV darzustellen, kommt in diesem Jahr das so genannte Full-HD groß raus. Die "HD Ready"-Bildschirme konnten durchaus eine etwas krumme Auflösung haben, sodass Fernsehbilder mit 720 beziehungsweise 1080 Zeilen auf 768 Zeilen hoch- oder runtergerechnet werden mussten. Bildschirme mit "Full-HD"-Logo haben die volle HD-Auflösung von 1920x1080 Pixel. Auch ein Logo, auf das man künftig beim Kauf achten sollte.
Neues Computer-Zubehör
Auch Hersteller von Computer-Zubehör werden auf der IFA vertreten sein. Beispielsweise das US-Unternehmen Hauppauge, dessen Hauptaugenmerk auf TV-Empfangskarten für PCs liegt. Hauppauge zeigt eine neue Karte mit jeweils zwei Empfängern für DVB-T und analoges TV, wobei im Betrieb jeweils nur eine Empfangsart möglich ist (eine so genannte Hybrid-Karte namens WinTV HVR-2200). Neu ist auch das "Xfones PC2400", ein drahtloser Kopfhörer, der mittels eines USB-Senders an den Computer angeschlossen wird und der die Audio-Signale des Computers an den Kopfhörer weiterleitet.
Ein anderer Hersteller von Computerzubehör ist das deutsche Unternehmen TerraTec, ebenfalls bekannt unter anderem für TV-Empfangskarten und -boxen, die den Fernsehempfang am Computer ermöglichen. Das neueste Produkt, die "Cinergy Piranha", ein winziger USB-Empfänger für DVB-T, DMB und später auch für DVB-H, ist seit einigen Wochen bereits auf dem Markt und wird nur nebenher am Stand präsentiert. TerraTec setzt dieses Jahr nämlich nicht auf technische Neuerungen, sondern auf Inhalte. Für seine Internet-Radios der "Noxon"-Serie präsentiert der Hersteller aus Nordrhein-Westfalen Partner, die mit ihren exklusiven Inhalten den Käufer auf den Geschmack bringen sollen. Näheres wollte Pressesprecher Christoph Müllers zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht sagen.
Inhalte immer wichtiger
Inhalte sind die wichtigsten Pfründe beispielsweise auch für die Hersteller und Vertreiber so genannter Set-Top-Boxen. Diese Kisten stellt man unter, neben oder auf den Fernseher - daher der Name. Sie ermöglichen den Empfang von Fernsehsignalen auf verschiedenen Wegen, die die Fernsehgeräte nicht beherrschen. Jüngste Technik: IP-TV. Hierbei kommt das Fernsehsignal nicht wie gewohnt über Antenne, Kabel oder Satellit ins Wohnzimmer, sondern über das Internet. Eine schnelle Verbindung vorausgesetzt, ist hier auch der Empfang von HDTV möglich.
Das Fernsehen wird auf der IFA sicher nicht neu erfunden werden, doch eine ganze Reihe von Weiterentwickungen und Verbesserungen dürften die Besucher auch in diesem Jahr an vielen Messeständen sicher die einen oder anderen "Ahs" und "Ohs" entlocken zdf.de
